roses of shadow:
sound choreography for soprano and 8 instrumentalists
message:
scenic concert piece for mezzo soprano, bariton, speaker, various sound requisites, tape and live electronic
“Why should poor beauty indirectly seek Roses of shadow, since his rose is true?” (Shakespeare, Sonett Nr.67) Das 40-minütige Werk „Roses of Shadow“, 2016/2017 komponiert, entstand als Auftragswerk des Balletts am Rhein Düsseldorf Duisburg für eine Choreographie Martin Schläpfers. Meine Entscheidung, Fragmente aus Gedichten bzw. Texten von Indianern aus Nordamerika zu benutzen (Weißt du, dass die Bäume reden - Weisheiten der Indianer von Käthe Reis und Georg Bydlinski, 1983) war die „Zündung“, der Ausgangspunkt einer intensiven kompositorischen Arbeit: Es entstand eine „Klangkosmogonie“ von neun Klangzentren, die in sieben Phasen den zyklischen Prozess von der Entstehung aus dem Nichts, dem Wachstum bis zum Zerfall die Klanggestaltung durchläuft. Acht Instrumentalisten und eine Sängerin (Sopran) bilden folgende Klangzentren: 1 Stimme (Sopran), auch Mundharmonika in Fis-Dur und Rasseln 2 Trompete in C, auch Trompete in D, Euphonium, Alphorn, Mundharmonika in F-Dur 3 Klarinette in B, auch Bassklarinette in B, Kontrabassklarinette in B, Klarinette in Es, Mundharmonika in E-Dur 4 Violine, auch Mundharmonika in D-Dur 5 Violoncello, auch Mundharmonika in C-Dur 6 Koto, auch Basskoto, Mundharmonika in H-Dur 7 Akkordeon, auch Mundharmonika in B-Dur 8 Pianoforte (Flügel), auch Mundharmonika in a-Moll 9 Schlagzeug (verschiedene Instrumente), auch Mundharmonika in g-Moll Die neun einzelnen Farbenkomplexe beeinflussen sich gegenseitig. Die Achse Stimme - Schlagzeug kann als Zentrum oder Kern für die „Klangbahnen“ der restlichen sieben Farben betrachtet werden, analog zu einem Planetensystem. Die Einbeziehung der Stimme (sprechen, flüstern, knarren etc.) und der Lippengeräusche bei den Instrumentalisten erweitert die Klangmöglichkeiten der Instrumente. Sie erscheinen als ein „Schatten“-Ensemble oder als „Geisterstimmen“. Wie bei den chemischen Bindungen gruppieren sich die „Klangmoleküle“ immer anders und bilden neue Substanzen. Extreme Klangsituationen und Geräusch- oder Klangverbindungen sowie Grenzsituationen in der Zeitgestaltung (wie eingefrorene Bilder) werden bevorzugt. Pulsierende homogene Flächen alternieren mit kurzatmigen Verschachtelungen mikroskopischer Klanginseln. Solistische Momente, wie z.B. von Alphorn oder Kontrabassklarinette solo, erscheinen wie bindende Streifen zwischen den dichten Klangblöcken oder Momente reiner Farbe. Es finden wellenartige Entladungen von gewaltigen Klangenergien statt. Von Anfang bis Ende des Werks nimmt die Kompaktheit und Bedrohlichkeit des Klanges wie ein Sog zu.