{"id":9443,"date":"2014-09-20T19:01:34","date_gmt":"2014-09-20T19:01:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stefan-hussong.de\/?p=9443"},"modified":"2018-02-20T19:04:18","modified_gmt":"2018-02-20T19:04:18","slug":"lohnenswerte-annaherung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefan-hussong.de\/wordpress\/2014\/09\/20\/lohnenswerte-annaherung\/","title":{"rendered":"Lohnenswerte Ann\u00e4herung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.stefan-hussong.de\/album\/f-fragments\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-9436\" src=\"http:\/\/www.stefan-hussong.de\/wp-content\/uploads\/2006\/07\/wer67862-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.stefan-hussong.de\/wp-content\/uploads\/2006\/07\/wer67862-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.stefan-hussong.de\/wp-content\/uploads\/2006\/07\/wer67862-100x100.jpg 100w, https:\/\/www.stefan-hussong.de\/wp-content\/uploads\/2006\/07\/wer67862-350x350.jpg 350w, https:\/\/www.stefan-hussong.de\/wp-content\/uploads\/2006\/07\/wer67862-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.stefan-hussong.de\/wp-content\/uploads\/2006\/07\/wer67862.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><em>Eine neue CD von Wergo stellt drei Werke der japanischen Komponistin Keiko Harada vor.<\/em><\/p>\n<p>Es lohnt sich, anhand dieser Produktion aus dem Hause Wergo eine Ann\u00e4herung an die Musik der 1968 geborenen Japanerin Keiko Harada zu versuchen. Dass man dabei allerlei Ungew\u00f6hnliches erleben kann, l\u00e4sst sich bereits dem Bookletbeitrag von Ayumu Yasutomi entnehmen: Sympathisch ist das Eingest\u00e4ndnis des Autors, er habe \u201anoch nie zuvor derartige Musik geh\u00f6rt\u2019 und sei daher \u201aziemlich ratlos\u2019 gewesen, als er gebeten wurde, einen Text zu schreiben. Konsequenterweise vollzieht sich seine Auseinandersetzung in einer allm\u00e4hlichen Umkreisung des Gegenstands, womit sie dem Vorgang der erstmaligen h\u00f6renden Ann\u00e4herung an Haradas Werke gleicht.<br \/>\nMit ihrem ausgewogenen und technisch klar eingefangenen Zusammenspiel sorgen Yumiko Meguri (Klavier) und Stefan Hussong (Akkordeon) f\u00fcr eine konzentrierte Wiedergabe der Komposition &#8216;F-fragments&#8217; (2012). Die elf aphoristischen Abschnitte wirken stellenweise streng, aber nicht abweisend, die Kl\u00e4nge der beiden Instrumente sind in ihrem Aufeinandertreffen genau kalkuliert. \u00dcberraschend ist die Vielfalt an klanglichen Situationen, die Harada daraus gewinnt. Manchmal herrscht der Vorw\u00e4rtsdrang gestisch ausformulierter Passagen vor, die sich beim Miteinander beider Partner st\u00e4ndig miteinander verschr\u00e4nken (Nr. 2), dann wiederum werden ger\u00e4uschhafte und perkussive Laute in die instrumentalen Texturen einbezogen (Nr. 3) oder unterschiedliche Klangschichtungen ineinander geschoben (Nr. 10). Jeder einzelne Aphorismus f\u00fchrt den H\u00f6rer in eine andere Welt: Die Arbeit mit wechselnden Atmosph\u00e4ren ist ganz bewusst gestaltet und steckt voller feinster Details. Dabei l\u00e4sst sich das Paradoxon erleben, dass man gerade dort, wo die musikalischen Aktionen auf ein Minimum beschr\u00e4nkt sind und auf einfachen Aktionen beruhen \u2013 einem tonlosen Klopfen der D\u00e4mpfung auf den Klaviersaiten, einem lang gehaltenen und ganz allm\u00e4hlich absackenden Akkordeonton, einfachen Repetitionen \u2013 den gr\u00f6\u00dften Detailreichtum wahrzunehmen beginnt.<br \/>\nDer ausgewogene Eindruck der CD resultiert daraus, dass dem knapp die H\u00e4lfte der Spielzeit einnehmenden Duo zwei solistische Kompositionen gegen\u00fcberstehen. &#8216;Book I&#8217; f\u00fcr Akkordeon (2010), bestehend aus vier einzelnen, von Hussong bestechend fein gestalteten St\u00fccken, funktioniert ganz \u00e4hnlich wie &#8216;F-fragments&#8217;: Momente wie das spielerische polyphone Geflecht aus unterschiedlichen melodischen und akkordischen Schichten (Nr. 1), Spr\u00fcnge zwischen Registerlagen in Kombination mit vorsprachlichen Stimmartikulationen (Nr. 2) oder lang gezogene Kl\u00e4nge (Nr. 3) dienen jeweils als Ausgangspunkte f\u00fcr ganz unterschiedliche musikalische Charaktere, f\u00fcgen sich aber doch auf einer h\u00f6heren Ebene zu einer schl\u00fcssigen Gesamtgestalt. Mit einer Auswahl von sieben St\u00fccke aus &#8216;Nach Bach&#8217; f\u00fcr Klavier solo (2004) schlie\u00dft sich der Kreis: Meguris Klavierspiel, feingliedrig und weich im Anschlag, wird zur B\u00fchne f\u00fcr die Herausarbeitung feiner melodischer Details, polyphoner Gedanken, rhythmischer Verschiebungen oder akkordisch artikulierter Farbverl\u00e4ufe, was \u2013 auch aufgrund der Hommage an die europ\u00e4ische Kunstmusiktradition \u2013 so manche \u00dcberraschung mit sich bringt.<br \/>\nDass die Produktion in h\u00f6chstem Ma\u00dfe gelungen ist, liegt auch an dem hervorragend editierten Booklet, das neben dem eingangs erw\u00e4hnten Essay von Ayumu Yasutomi noch weitere Beitr\u00e4ge enth\u00e4lt. In ihnen kommt die Komponistin selbst in ausgedehnten Kommentaren zu den drei pr\u00e4sentierten Werken zu Wort, was den Leser mit dem gedanklichen Beziehungsreichtum der einzelnen St\u00fccke vertraut macht. Dar\u00fcber hinaus bietet das Label auch den Download eines Gespr\u00e4chs zwischen Harada und ihren Interpreten an und erm\u00f6glicht damit einen sehr aufschlussreichen Einblick in das Verh\u00e4ltnis zwischen Komponieren und Auff\u00fchrungspraxis, der auch den Reaktionen der Musiker auf die St\u00fccke und den besonderen interpretatorischen Anspr\u00fcchen der Musik gerecht wird.<\/p>\n<p>Kritik von Prof. Dr. Stefan Drees, 15.09.2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine neue CD von Wergo stellt drei Werke der japanischen Komponistin Keiko Harada vor. 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