{"id":9397,"date":"2016-04-05T10:43:13","date_gmt":"2016-04-05T10:43:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stefan-hussong.de\/?p=9397"},"modified":"2018-02-16T11:50:43","modified_gmt":"2018-02-16T11:50:43","slug":"das-grosse-mysterium-als-quelle-der-kreativitat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefan-hussong.de\/wordpress\/2016\/04\/05\/das-grosse-mysterium-als-quelle-der-kreativitat\/","title":{"rendered":"DAS &#8220;GROSSE MYSTERIUM&#8221; ALS QUELLE DER KREATIVIT\u00c4T"},"content":{"rendered":"<p>Konzertreihe Akkordeon grenzenlos (III), April 2016<\/p>\n<blockquote><p>Nein, Stefan Hussongs hohe Akkordeonkunst \u00fcberw\u00e4ltigt nicht einfach. Sie ber\u00fchrt. Sie fesselt. Sie bewegt. Sie trifft ins Herz. Sie l\u00e4sst aufhorchen. Sie geht in die Tiefe, f\u00fchrt zum Denken: \u00dcber das Wesen der Musik, \u00fcber ihre Sprache, \u00fcber den Umgang mit Musik.<br \/>\nAlfred Thiele<\/p><\/blockquote>\n<p>Trossingen. F\u00fcr den Akkordeonisten Stefan Hussong, ausgezeichnet mit renommierten internationalen Preisen, einst Sch\u00fcler der Trossinger Akkordeonlegende Hugo Noth und heute Professor an der W\u00fcrzburger Hochschule gilt das, was Nikolaus Harnoncourt in seinen musikphilosophischen Betrachtungen so treffend auf den Punkt gebracht hat: Musik wird bei ihm zur \u201eKlangrede\u201c, sein virtuoses Spiel, seine Interpretationen und seine Kompositionen sind dazu angetan, zu einem neuen, tieferen, weniger oberfl\u00e4chlichen Verst\u00e4ndnis von Musik zu f\u00fchren. Und das ist nicht nur w\u00fcnschenswert, sondern auch wertvoll angesichts einer Gegenwart, die musikalische Kunstwerke zu \u201eblo\u00dfen Ornamenten\u201c degradiert, um \u201eleere Abende durch Opern- und Konzertbesuche zu garnieren, \u00f6ffentliche Festlichkeiten herzustellen oder auch um mittels des Radios die Stille der h\u00e4uslichen Einsamkeit zu vertreiben oder zu beleben\u201c, um Harnoncourt einmal mehr zu zitieren. So wurde Stefan Hussongs Gastspiel auch beim Trossinger Festival \u201eAkkordeon grenzenlos\u201c im Duo mit dem exzellenten Pianisten Armin Fuchs am Mittwoch in der bestens besuchten Kulturfabrik Kesselhaus zu einem \u201egro\u00dfen\u201c Abend im bestens Sine des Wortes \u2013 zu einem Konzert von bleibender Erinnerung in Zeiten tagt\u00e4glicher musikalischer Reiz\u00fcberflutung.<br \/>\nIm Mittelpunkt des Abends stand die Avantgarde mit der japanischen Komponistin Keiko Harada, die selbst im Publikum sa\u00df, um die Auff\u00fchrungen mitzuerleben. In ihrem gro\u00dfen, fast drei\u00dfigmin\u00fctigen Zyklus \u201ef-fragments\u201c, der von Stefan Hussong und Armin Fuchs vor einem gebannt lauschenden Publikum ausdrucksstark, dynamisch fesselnd und feinf\u00fchlig interpretiert wurde, setzt sich Keiko Harada mit der verheerenden Nuklearkatastrophe in Fukushima anno 2011 in ihrer japanischen Heimat auseinander. Die Komposition, entstanden ein Jahr nach dem furchtbaren Ungl\u00fcck, bringt mit musikalischen Ausdrucksmitteln die dramatische Spannung zwischen der Energie des menschlichen K\u00f6rpers und der ihn vernichtenden Kraft der Radioaktivit\u00e4t bewegend und tragisch zum Ausdruck. Keiko Harada \u201eist eine Seltenheit unter den modernen Komponisten, insofern als sie das gro\u00dfe \u201aMysterium\u2018, die Regung ihrer eigenen Seele, als Quelle ihrer Kreativit\u00e4t akzeptiert\u201c, schreibt der japanische Soziologe und Kulturwissenschaftler Ayumu Yasutomi \u00fcber die 1968 geborene K\u00fcnstlerin: \u201eEs scheint, als ob ihr Geh\u00f6r den Klang wahrnehmen kann, in dem ein Blatt lebt, den Klang, den ein Wassertropfen an das Universum aussendet. Eine r\u00e4tselhafte Kraft ist hier am Werk, eine Kraft, die zuh\u00f6rt und imaginiert, Eindr\u00fccke in konkrete Formen gie\u00dft, sie zu Notenschrift verarbeitet und Musiker dazu bringt, Noten zu spielen, von denen sie geschworen haben, dass sie unspielbar seien.\u201c<br \/>\nEs ist nicht leicht, wenige Minuten nach dieser intensiven Sch\u00f6pfung, die schier sprachlos macht, andere Musik zu h\u00f6ren. Mit Astor Piazzollas melancholischem \u201ePreludio 9\u201c \u2013 \u201eTodo Buenos Aires\u201c, das zu den sch\u00f6nsten St\u00fccken im Schaffen des Argentiniers nach seiner Quintett-Gr\u00fcndung z\u00e4hlt, hatten Hussong und Fuchs allerdings eine Komposition gew\u00e4hlt, die das zuvor Geh\u00f6rte nicht mit Kl\u00e4ngen \u201e\u00fcbert\u00fcnchte\u201c, sondern in diesem Augenblick sogar eher noch intensivierte.<br \/>\nGro\u00dfen Beifall bekam nach der Pause Keiko Haradas an diesem Abend uraufgef\u00fchrte \u201eDevil Fire Tarantella\u201c, der Hussong gleich zwei weitere zeitgen\u00f6ssische Kompositionen folgen lie\u00df: John Cages \u201eDream\u201c von 1948 in einer Version f\u00fcr Akkordeon solo sowie \u201eHigh Way for One\u201c der 1953 geborenen Komponistin Adriana H\u00f6lszky ebenfalls f\u00fcr Solo-Akkordeon. Als virtuoser, sensibler Pianist und Klangfarbenzauberer zeigte sich Armin Fuchs bei seinem Soloauftritt mit zwei Et\u00fcden von Claude Debussy, ehe in ber\u00fchrender Klangsch\u00f6nheit vier bekannte Choralvorspiele von Johann Sebastian Bach in der Bearbeitung f\u00fcr zwei Klaviere von Gy\u00f6rgy Kurt\u00e1g zu erleben waren, in denen der zweite Klavierpart Stefan Hussong und seinem Akkordeon zufiel. Mit \u201eNovitango\u201c und \u201eTanguedia III\u201c des Publikumslieblings Astor Piazzolla sowie dem wundersch\u00f6nen japanischen Volkslied \u201eDer Mond hinter dem verfallenen Schloss\u201c in der Bearbeitung von Keiko Harada klang dieser wohl unvergessliche Abend, von dem man sich weitere w\u00fcnschen w\u00fcrde, schlie\u00dflich aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konzertreihe Akkordeon grenzenlos (III), April 2016 Nein, Stefan Hussongs hohe Akkordeonkunst \u00fcberw\u00e4ltigt nicht einfach. Sie ber\u00fchrt. Sie fesselt. 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