(Reprint of an review by Tilman Urbach in "Fono Forum 09/03")

karlheinz stockhausen
tierkreis - zodiac (12 melodies of the star signs)

Außerordentlich

Dass Stockhausens Musik immer wieder unvermutete Berührungspunkte mit dem Jazz aufweist, ist nicht neu. So erfuhr das Stück "Aus den sieben Tagen" vor Jahren eine Ausdeutung unter Diego Masson, die am Bass ganz selbstverständlich Jean-François Jenny Clark, an den Blasinstrumenten Michel Portal einband - von den Interpretationen der Stockhausen Söhne Michael und Simon einmal abgesehen, die im Jazz ihre Karriere gemacht haben, was den Übervater Stockhausen übrigens wenig kümmert.

Nun hat sich der Posaunist Mike Svoboda dem Zyklus "Tierkreis" angenähert und Musiker verpflichtet, deren Arbeit im Dunstkreis von eigenverantwortlicher Auslegung und Interpretation liegt, darunter Michael Riessler und Stefan Hussong. Herausgekommen ist ein beglückendes Ereignis, das frei ausschwingt.

Der Zyklus besteht aus 12 einfachen Gesängen, die chromatisch ansteigend jeweils um einen Zentralton gruppiert sind (beginned mit Es für Wassermann, endend mit D für Steinbock).

Jeder Melodie begegnet der Hörer zweimal: Zunächst fließt die notengetreue Aufführung mittels Zuspielband ein, um von den Musikern adaptiert zu werden - anschließend gibt Svoboda seinen Mitstreitern nur mehr Minimal Strukturen vor, um Stockhausens Melodien zur Total-Improvisation freizugeben.

Sind Jazzer also die besseren Interpreten Neuer Musik? Sicher nicht! Aber der riskante Zugriff, die ungeheure Frische des Musizierens - das sind Begriffe, die zum Kernbereich des Jazz zählen. Glückliche Liaison!

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