(Reprint of an review by Christoph Wagner in "taz", 21.07.2003)

karlheinz stockhausen
tierkreis - zodiac (12 melodies of the star signs)

Keine Angst vor Stockhausen! Wer schon bei der bloßen Namensnennung zusammenzuckt, sollte der Musik des Monomanen der Neuen Musik eine zweite Chance geben. Denn Tierkreis ist eines der zugänglichsten Werke Stockhausens und eine der schönsten Musiken seines Schaffens, meint der amerikanische Posaunist Mike Svoboda, der federführend bei dieser Einspielung war. Dafür brachte Svoboda beste Voraussetzung mit, hat er doch zehn Jahre lang als Hausposaunist fur Stockhausen gearbeitet und kennt dessen Musik aus dem Effeff.
Tierkreis unterscheidet sich von anderen Werken Stockhausens. Es gewahrt den Interpreten größeren Gestaltungsspielraum, den man sich allerdings hart erarbeitet muss. Wochenlang saß Svoboda am Schreibtisch und arbeitete die Partitur des Werks aus, um den Ansprüchen Stockhausens an die Interpretation als Verdeutlichung der Komposition gerecht zu werden. Der Aufwand hat sich gelohnt. Entstanden ist eine Musik, deren Klangfarbensprache feinfühlend poetisch ist, die melodische Qualitäten besitzt, sich gelegentlich clusterhaft verdichtet und in manchen Passagen auf überraschende Weise groovt. So rockig hat man Stockhausen noch nie erlebt.

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