(Reprint of an review by Patrick Donahue in "KLASSIK heute"", 7/2000)

Uros Rojko - Chamber Music

In einer gerechteren Welt würde Uros Rojko bestimmt zu den renommiertesten Komponisten unserer Zeit zählen. Seit 20 Jahren entwickelt der 1954 geborene, in Ljubljana und Freiburg lehrende Slowene mit unbeirrbarer Konsequenz eine unverwechselbare und außergewöhnlich zeitgemäße Tonsprache, die durch ihre organische, erquickend originelle Musikalität fasziniert. Auch wenn dabei das Klangliche zunächst in den Vordergrund rückt, ist die "Bewegung" durch seine Klangepisoden letztendlich das eigentlich Charakteristische an Rojkos Musik: eine im innigen Sinne stets tänzerische Begegnung feierlich singender Musikelemente in einem kompakten Fest packender KlangsinnIichkeit. Sicherlich sind Spuren der wichtigsten Persönlichkeiten seines Studienweges - Krzysztof Meyer, Klaus Huber, György Ligeti - stellenweise zu finden, vor allem in der gekonnt aufgebauten Architektur und im urmusikantischen, sogar volksmusikantischen Spielduktus seiner Werke. Insofern als Rojko künstliche harmonische Kompliziertheit zu Gunsten von naturharmonischen Verhältnissen ablehnt, ist auch stellenweise eine gewisse Verwandtschaft mit den Absichten Scelsis zu hören. Damit hören jedoch die Ähnlichkeiten mit irgendeiner mir bekannten "neuen" Musik auf: mit enormer und dennoch ungezwungener Hingabe zur Ausdruckskraft im einzelnen Ton lädt Rojko in eine musikalische Welt ein, die ebenso eigenartig fesselnd ist wie seine auffälligen Besetzungen.

Daß Uros Rojko so viel für Akkordeon komponiert hat, mag damit zu tun haben, daß dieses instrument in seinen Ausdrucksmöglichkeiten weitgehend unterschätzt wird. So kann Rojko den Zuhörer immer wieder in die geheimnisvolle innere Beweglichkeit seiner Tonwelt locken, ohne ihn in irgendeiner Weise überreden oder zwingen zu müssen. Die ergreifenden, trotzdem überschaubaren Tonwelten, die er in Molitve zu vermitteln weiß, sind rein klanglich zugleich bezaubernd einfach und magisch faszinierend. Seine Verwendung von Mikrotonalität ist ebenso organisch und im Gesamterleben - dem arabischen Klagelied ähnlich - völlig eingebettet, ohne die strukturelle Klarheit westlicher Kunstästhetik zu verlieren. Selbst wenn es in den Tangos etwas "lustiger" wird, bleibt Rojko ein Komponist mit einer deutlichen, geradlinigen Asthetik und dem großen Können, diese in Tönen zu vermitteln. Kurz gesagt: eine Ausnahmeerscheinung in der heutigen Landschaft neuer Musik. Kein Wunder also, daß ihm seit Jahren eine kleine Gruppe zur Seite steht - etwa Stefan Hussong, John Edward Kelly oder Bojan Gorisek die überzeugt und begeistert für sein Werk kämpfen. Wie diese hervorragenden Einspielungen belegen: Uros Rojko zu spielen und zu hören, lohnt sich gleicherwaßen.

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