(Reprint of an review by Christoph Dohr in "fermate"", 1/2000)

Stefan Hussong plays Frescobaldi
Frisch

Diese CD wird (hoffentlich) manchen Kirchenmusiker zum Umdenken bringen. Galt doch bisher eine recht simple Dreiteilung der Orgel-Musik-Epochen: a) die Vor-Bach-Zeit: spröde; b) Die Bach-Zeit: Hochzeit = Klassik; c) dic Nach-Bach-Zeit: dekadent bis zur Vergewaltigung der "Königin" der Instrumente.

Für die spröde Epoche a) müssen nun die Organisten ausgerechnet bei einem Spieler eines so banalen Instrumentes, wie es ein Akkordeon ist, in die Lehre gehen: Stefan Hussong, Jahrgang 1962 und seit spätestens 1983 einer der ganz großen seines (auch durch ihn erheblich erweiterten) Faches, hat eine ganze CD als Frescobaldi-Recital zusammengestellt und eingespielt.

Dabei handelt es sich nicht um eine jener Repertoire-Anleihen, die Instrumentalisten gerne aus Langeweile auf fremden Terrain machen. Man kann noch nicht einmal von „Übertragungen“ sprechen; nein: Frescobaldis Musik wird von Hussong zu veritablem Leben erweckt, blüht zu einer Vitalität auf, die weit von jeder akademischen, Viertel zählenden Sprödigkeit entfernt ist und die vergessen lässt, dass diese Musik schon hundert Jahre vor Bach geschrieben wurde.
Christoph Dohr

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