(Abdruck einer Kritik von in der Zeitschrift "", 27/09/00)

Wo Meister Bach luftig leicht klingt und alle Düsternis verliert
Ungewöhnliche Kombination, aufregendes Konzert: Der Akkordeon-Virtuose Stefan Hussong und die Geigerin Tomoko Kato

Im Saarbrücker Schloss floppte bereits mancher attraktive und wohlplatzierte Klassik-Termin - oft genug herrschte schon gähnende Leere im Festsaal. Und nun dieses Konzert mitten in der Woche und mitten im Sommerloch mit gut besetzten Zuhörerreihen ... Wer schafft sowas? Nun, die Akkordeonisten. Der Saarländische Akkordeonverband bekommt seine Mitglieder und Sympathisanten auf die Beine - und er bietet Spitzenqualität. Dank Stefan Hussong lassen sich hier eben problemlos Lokalpatriotismus und Weltklasse kombinieren. Denn der gebürtige Köllerbacher ist einer der gefragtesten internationalen Akkordeon-Solisten mit inzwischen ellenlanger Schallplattenliste. Zu dem Abend "Bach 2000 - Konzert für Violine und Akkordeon" brachte Hussong am Mittwoch nun die japanische Geigerin Tomoko Kato mit nach Saarbrücken. Ebenfalls eine Klasse-Musikerin, mit einem berückend schönen Violinton. Man denke nur an die gedämpfte Glut bei Bachs g-moll-Violinsonate BWV 1001.

Höchst plastisch zeichnete Tomoko Kato die komplexe Architektur nach und erfüllte die Noten mit viel emotionaler Wärme. Keinen kopflastig-kühlen, sondern einen lebendigen, vitalen Bach erlebten die begeisterten Hörer im Festsaal auch bei den Duo-Beiträgen.

Gleich bei der zur Eröffnung gespielten e-moll-Sonate BWV 1023 - mit farbig sich um das pulsierende Akkordeon rankenden Violin-Knospen. Ihr Meisterstück lieferten Kato und Hussong freilich zum Finale mit einer wunderbar leichten Version der c-moll-Sonate BWV 1017: entspannt, beinahe abgeklärt, dabei ungemein intensiv und vital. Kurz: auf allerhöchstem Niveau. Wen bei der Verbindung Bach und Akkordeon eventuell noch Zweifel plagten, den hatte Hussong freilich bereits zuvor eines Besseren belehrt: Mit zwei Choralvorspielen, dem sehr gut durchgesteigerten "Nun komm der Heiden Heiland" und der geradezu heiteren Sicht von "Wachet auf ruft uns die Stimme" - die Ziehharmonika imponierte mit klanglicher Fülle ohne jene für die Orgel so charakteristische sakrale Düsternis. Soweit zu Bach selbst. Doch fehlten auch nicht Noten, die sich auf Werke des Thomaskantors (dessenTodestag jährt sich am heutigen Freitag nun 250ten Mal) bezogen: So vier - hier duftig dahingetupfte - Präludien aus op. 34 von Dmitri Schostakowitsch und drei Tänze aus der Feder von Astor Piazzolla - von Kato und Hussong ebenfalls mit viel Einfühlungsvermögen und in intimem Miteinander gespielt Und sogar Liebhaber schriller moderner Balg-Akrobatik kamen an diesem makellosen Konzertabend auf ihre Kosten: Bei Adriana Hölszkys eigens dem Akkordeon-Virtuosen Hussong auf den Leib geschriebener "Highway-Cadenza". Riesen-Ovationen.

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